Außenansicht Forensik Ansbach mit Grünanlage
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Zwischen Klinik und Klassenzimmer
24 Patienten der Klinik für Forensische Psychiatrie erwerben einen Schulabschluss
Bei der Zeugnisübergabe am 28.07.2025 in der Forensischen Psychiatrie in Ansbach strahlten die Gesichter aller Anwesenden: Insgesamt 24 Patienten haben erfolgreich ihren Schulabschluss erreicht – ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg in ein selbst bestimmtes Leben nach ihrer Therapie.
Individuelle Erfolgsgeschichten
Ein junger Mann Mitte 20 freut sich besonders: Nachdem er im vergangenen Jahr den qualifizierten Hauptschulabschluss erreicht hatte, konnte er nun den Mittleren Bildungsabschluss erwerben. Sein nächstes Ziel ist bereits klar: die Vorbereitung für die Fachoberschule, anschließend das Fachabitur – und danach ein IT-Studium.
Ein weiterer Patient Anfang 40 berichtet, dass er nach nur vier Schuljahren in Polen bereits arbeiten musste. Bildung spielte lange keine Rolle in seinem Leben. Nach Jahren der Obdachlosigkeit hat er nun im Rahmen der Therapie seinen qualifizierten Hauptschulabschluss geschafft. 2026 möchte er den Mittleren Bildungsabschluss nachholen.
Auch ein junger Mann Mitte 30 erzählt von seinem langen Weg: Zuerst musste er Deutsch lernen – inzwischen beherrscht er die Sprache auf B1-Niveau. Mit viel Fleiß hat er den qualifizierten Hauptschulabschluss erworben. Sein nächstes Ziel: eine Ausbildungsstelle finden.
Alle Patienten loben die engagierten Lehrkräfte, die individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen und sogar auf die Stationen kommen, um Nachhilfe zu geben.
Gute Leistungen in allen Schulabschlüssen
Insgesamt erreichten 24 Patienten einen Schulabschluss:
- 18 Patienten erhielten den Mittelschulabschluss, davon 17 den qualifizierten Abschluss (Notendurchschnitt: 1,87),
- 7 Patienten bestanden den Mittleren Bildungsabschluss (Notendurchschnitt: 1,89).
Diese Leistungen erhöhen die Chancen der Patienten erheblich, nach Abschluss der Therapie ein geregeltes, selbst-bestimmtes Leben zu führen.
Der Schulabschluss ist ein Meilenstein für eine erfolgreiche Resozialisierung“, sagt Dr. Martina Weig, Chefärztin der Forensischen Psychiatrie am Bezirksklinikum Ansbach und Leiterin des Maßregelvollzugs. „Er eröffnet neue Bildungswege und berufliche Perspektiven. Die Patienten haben sich bewusst dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen, sich weiterzubilden und ihre Zukunft aktiv zu gestalten.
Ungewöhnliche Bildungswege
Die 24 Schüler sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Viele haben die Schule abgebrochen oder nie regelmäßig besucht, manche mussten erst Deutsch lernen. Der heterogene Bildungsstand stellte die Lehrkräfte vor Herausforderungen – dennoch erzielten die Patienten zum Teil bessere Noten als Jugendliche an öffentlichen Schulen. Warum das so ist?
„Unsere Schüler sind älter und wissen genau, warum sie lernen“, erklärt Gerhard Sonnenleiter, Lehrer am Bezirksklinikum Ansbach. „Es gibt keine Schulpflicht. Wer hier am Unterricht teilnimmt, macht das aus freien Stücken. Das stärkt Motivation und Selbstvertrauen.“
Neben klassischem Unterricht in Deutsch, Mathematik oder Wirtschaft stehen auch lebensnahe Inhalte wie Bewerbungstraining, Wohnungssuche oder Versicherungswissen auf dem Stundenplan.
Einzigartig in Bayern
Ein besonderes Merkmal des Bezirksklinikums Ansbach:
Im Erwachsenenmaßregelvollzug ist es die einzige Klinik in Bayern, in der Schulabschlussprüfungen direkt im Haus stattfinden. Die Prüfungen entsprechen vollständig denen der öffentlichen Schulen – sie werden lediglich innerhalb der Klinik abgelegt.
„Ich danke der Mittelschule Dietenhofen und der Luitpoldschule Ansbach für die hervorragende Zusammenarbeit“, betont Dr. Martina Weig. „Den 24 Prüflingen gratuliere ich herzlich. Sie haben den Grundstein für ihre berufliche Zukunft gelegt.“