EINBLICKE - GESELLSCHAFT UND ANTISTIGMA
Begegnung statt Schubladendenken
Klinikum am Europakanal nimmt erstmals an der Langen Nacht der Wissenschaften teil
Psychiatrie ist oft von Klischees und Vorurteilen geprägt. Doch wer genau hinsieht, entdeckt etwas anderes: Begegnung statt Schubladendenken, Neugier statt Vorurteil, Offenheit statt Stigma. Im Oktober 2025 öffnete das Klinikum am Europakanal erstmals seine Türen für die Lange Nacht der Wissenschaften und zeigte, wie vielfältig moderne Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie heute sind. Rund 350 Gäste kamen zur Premiere.
Die Vorträge reichten von Depression, ADHS und Einsamkeit im digitalen Zeitalter bis zu Parkinson, stationärer Psychotherapie und neuen Antikörpern gegen Alzheimer. Ein weiterer Vortrag zeigte, wie Kunst therapeutische Prozesse unterstützen kann.
Auch die Workshops zogen viele Besucherinnen und Besucher an. Die Gäste konnten unter anderem einen psychologischen Werkzeugkoffer gegen Einsamkeit zusammenstellenstellen, autogenes Training ausprobieren oder ihre Gedanken auf einen meditativen Kurzurlaub schicken. Zwei Therapiehunde zeigten, wie Vierbeiner in therapeutischen Gruppen Vertrauen, Kontakt und Ruhe fördern – Führungen zur Baustelle des Klinikneubaus boten einen Blick auf die Klinik von morgen.
Besonders beliebt waren die Mitmach-Aktionen an den Ständen. Mit der Rauschbrille erlebten die Gäste den Promille-Effekt, garantiert ohne Kater. Und im Altersanzug spürten sie, wie sich Bewegung, Wahrnehmung und Alltag in den späten Lebensjahren anfühlen.
Für die Bezirkskliniken Mittelfranken war die Veranstaltung ein gelungener Auftakt. Sie zeigte, wie groß das Interesse an psychischer Gesundheit ist und wie viel Formate wie die Nacht der Wissenschaft bewegen können. Wo Menschen fragen, ausprobieren und mit Fachleuten ins Gespräch kommen, sinken Hemmschwellen und Vorurteile.